Zwangsehe

 

Ein Kommentar von Dirk Hellmann

 

Es begann alles wie eine große Liebegeschichte. Ein unverhoffter Flirt, Kribbeln im Bauch, ein Kennenlernen, gegenseitige Sympathie bis hin zur Eheschließung. Selbst die zahlreichen Medienvertreter konnten es  kaum fassen – bis Ruud van Nistelrooy den Presseraum des Hamburger SV betrat. Er war es wirklich, der Weltstar. Zugegeben etwas in die Jahre gekommen, aber erfahren. Und dieser „Volltreffer“ sollte nun wirklich für die Rothosen auf Torejagd gehen?!

Der Holländer sprach damals von einem großen Verein, einer tollen Mannschaft und einer rosigen Zukunft. Bernd Hoffmann bezeichnete den Knipser als Meilenstein in der Transferpolitik, lobte sich und die Führung, dass es ihnen gelungen sei, solch einen Mann in die Bundesliga zu holen.

Nun, etwas über ein Jahr später, ist der Lack der frischen Liebe ab. Nichts ist geblieben vom Kribbeln, von den guten Gefühlen und der Zuneigung. „Gegen die Fans, meine Mitspieler oder den Trainer kann ich nichts sagen. Es war der Verein, der die Entscheidung getroffen hat", äußert sich der Profi im Kicker verärgert über die vergangenen Wochen.

Ruud hatte sich neu verliebt. Oder besser: alte Liebe rostet nicht! Real Madrid brauchte einen Ersatz für ihren verletzten Angreifer Higuain und da das liebe Geld auch bei den Königlichen nicht mehr auf den Bäumen wächst, erinnerten sich der Vorzeigeklub an van Nistelrooy – und der war sofort Feuer und Flamme. „Ich habe den HSV inständig darum gebeten, es mir zu erlauben, meinen Traum zu erfüllen. Aber nun bleibe ich hier, auch wenn mein Herz für Madrid schlägt", wird der 34-Jährige in der Zeitung „Marca“ zitiert.

 

Herz und Kopf

 

Nichts wurde es aus der alten, neuen Liebe. Dabei sei van Nistelrooy sogar bereitgewesen, sich freizukaufen. Der HSV blieb hart und muss nun mit einem „herzlosen“ Spieler auskommen. Zwangsehe.

Er werde sich verhalten wie ein Profi, werde sich nicht hängenlassen, versprach der Oranje-Bomber und auch Veh, der ihm unterdessen eine Art Stammplatzgarantie aussprach, ist sich sicher: „Er wird alles geben. Ruud muss schnellstmöglich den Kopf freibekommen.“ Im Frankenland beim 1. FC Nürnberg versagte das Kollektiv. Aber auch Individualist van Nistelrooy wirkte lethargisch ohne Spannung, einfach glücklos.

In solchen Momenten fehlt einem dann auch ein Stück weit das Herz, wobei er hier sicher nicht die Ausnahme bildet. Zumindest gab es im Wirrwarr eines möglichen Wechsels kein Trainingsstreik Marke Demba Ba in Hoffenheim.

Die HSV-Oberen, allen voran Jungmanager Reinhardt fühlen sich gestärkt. Sie haben dem großen Real Madrid Paroli geboten, haben den Rautensturmführer gehalten. Aber zu welchem Preis? Einen wirklichen Gewinner gibt es nicht. Ruud van Nistelrooy „muss“ seinen Vertrag erfüllen, obwohl er nicht will. Sein Herz sei in Madrid betonte er und ist es nicht genau dieses „Herz“, was so häufig dem HSV-Spiel abgeht? Oder wie lassen sich solche blutleeren Vorstellungen von Nürnberg erklären?

Am Ende der Saison wird abgerechnet – das Ergebnis wird Ruud van Nistelrooy nicht mehr kümmern, denn der Altmeister wird den HSV sicher verlassen. Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben.